Nicetea

Apr. 19

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"852" - Astrid Bärndal
Wie sieht Einfühlsamkeit aus? Die Installation 852 von Astrid Bärndal bezieht sich auf ein Schiffsunglück von 1994, bei dem mindestens 852 Menschen ihr Leben verloren haben. Viele Künstler hätten vermutlich ihre Energie darauf verwendet, eine übergreifende Skulptur zu schaffen, die des Unglücks gedenkt. Frau Bärndal hat stattdessen in detailverliebter Einzelarbeit 852 Seefahrermäntal aus Transparantpapier und Nähfaden geschaffen. 852 individuelle Objekte, die für sich genommen einfach daherkommen mögen, aber im Gesamtbild ein geradezu gespentisches Bild erschaffen.
Die Qualität des Bildes tut mir leid. Frau Bärndal selbst stellt auf ihrer Seite nur sehr kleine Bilder zur Verfügung, daher musste ich eine Postkarte abfotografieren.

"852" - Astrid Bärndal

Wie sieht Einfühlsamkeit aus? Die Installation 852 von Astrid Bärndal bezieht sich auf ein Schiffsunglück von 1994, bei dem mindestens 852 Menschen ihr Leben verloren haben. Viele Künstler hätten vermutlich ihre Energie darauf verwendet, eine übergreifende Skulptur zu schaffen, die des Unglücks gedenkt. Frau Bärndal hat stattdessen in detailverliebter Einzelarbeit 852 Seefahrermäntal aus Transparantpapier und Nähfaden geschaffen. 852 individuelle Objekte, die für sich genommen einfach daherkommen mögen, aber im Gesamtbild ein geradezu gespentisches Bild erschaffen.

Die Qualität des Bildes tut mir leid. Frau Bärndal selbst stellt auf ihrer Seite nur sehr kleine Bilder zur Verfügung, daher musste ich eine Postkarte abfotografieren.

Apr. 15

Der wiederholte Umzug der Welt

"Es ist schwer, Bilder zu finden, wenn etwas nicht wirklich greifbares geschieht. Eine große Migration, schlagartig und chaotisch.

Das Chaos ist willentlich herbeigeführt und wird von einer Macht kontrolliert, die aktuelle und denkbare Wissenschaftsgrenzen mühelos sprengt. Dennoch handelt es sich nicht etwa um eine metaphysische Macht. Es sitzen irgendwo Leute an Hebeln und Schaltern. Doch wer sie sind oder wo sie sind - unmöglich festzustellen.

Zurück zur Migration.

Nennen wir es eine vereinte Seelenwanderung. Die Geister aller Menschen gehen in geordneter Unübersichtlichkeit von einer Welt auf eine andere über. Es ist wie ein Sprung. Oder wie ein weltweiter Anfall von spirituellem Schluckauf. Wir lassen alle etwas zurück. Es mag auch sein, dass das Verlassene sein Sein aufgibt und spontan aus der Existenz austritt. Es mag ersetzt werden. Anders aber doch gleich. Das ist alles Theorie.

Eines ist auf jeden Fall sicher. Es sind keine leeren Hüllen, die in der neuen Welt auf uns warten. Es finden Kämpfe statt. Milliardenfach tanzen Seelen um die Herrschaft ihrer Körper. Oder um die, die sie für diese halten.

Seelen ist ja jetzt auch ein unglücklich gewählter Begriff. Zu behaftet. Nennen wir sie Summen. Im Sinne von der Summe des Wesens.

Jedenfalls ist nach wenigen Momenten schon alles vorbei. Nur die Starken haben den Sprung geschafft. Ich weiß nicht, was mit denen passiert, die es nicht schaffen. Nacht herrscht und niemand kann sich an diese schrecklichen Augenblicke der blutlosen Todeskämpfe erinnern.”

Ich starrte ihn an. Ein Hauch von Mitleid kam in mir auf. Was für eine Wirre Geschichte. Ich sagte: “Niemand. Außer dir.”

Er zog seine Gesicht zu einem Ausdruck zusammen als sei ich ein Haustier, das zum wiederholten Mal sein Geschäft auf den Teppich verrichtet hat.

"Richtig. Zumindest nicht, soweit ich das wüsste. Ich habe noch niemanden finden können, der sich auch an diese Erfahrung erinnern könnte."

Ach, —-. Armer, irrer —-. Du glaubst es wirklich.

Das kleine Einmaleins der Beleidigungen

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"Scheißarsch! Musst mal aufpassen, wo du hinläufst. Du Furz!"

Tim machte ein besorgniserfülltes Gesicht. Ich konnte ihm ansehen, dass er ernsthaft überlegte, während er seinen geifernden Gegenüber taxierte. Schließlich öffnete er seinen Mund und heraus kamen die Worte: “Sie sollten wirklich mit dem Trinken aufhören.”

Er drehte sich um und ging weiter. Hätte er mich nicht am Ellbogen gezogen, wäre ich sicherlich ebenso verdutzt stehen geblieben wie unsere unerfreuliche Bekanntschaft. Während wir unseren Weg fortsetzten blickte ich immer wieder zu meinem Begleiter.

"Was?"

"Du hast das ernst gemeint, oder? Das mit dem Trinken."

"Sonst hätte es wohl kaum seine volle Wirkung erzielt."

"Aber woher konntest du wissen, dass der Mann Alkoholiker ist?"

Tim kicherte in Richtung Fußweg.

"Das ist gut! Woher wusste ich, dass der Mann Alkoholiker ist? Nun, lass mich überlegen, wie ich es dir mit einfachen Worten begreiflich machen könnte."

Ich boxte in seinen Arm.

"Au. Nein, ich hatte überhaupt keine Ahnung, ob der Typ da vorhin besondere Präferenzen in dieser Richtung hat. Toska, was tust du, wenn dich jemand beleidigt? Dich beschimpft oder anschreit? Schreist du zurück? Das wäre die normale Reaktion. Normale Reaktionen können sogar von absoluten Volltrotteln vorhergesehen werden. Normale Reaktionen helfen dabei, dass ein Kampf geführt wird, den sie verstehen. Das bedeutet einen Vorteil für sie."

Er sah mich kurz an, um zu überprüfen, ob ich ihm noch folgte.

"Um das zu vermeiden, ist es nötig, unvorhersehbar zu agieren. Was meinst du, wie lange ihm meine Antwort noch im Kopf herumschweben wird? Es ist vollkommen gleichgültig, ob er sich nun Sorgen um seine mögliche Fahne macht. Genausogut könnte er sich jetzt auch fragen, ob er wie ein hoffnungsloser Säufer aussieht. Aber eines ist sicher: mit dieser Reaktion hat er nicht gerechnet. Vielleicht überdenkt er noch einmal sein gesamtes Weltbild und macht das nächste mal wenigstens ein bisschen Platz, wenn ihm jemand entgegen kommt."

"Ah."

"Du verstehst?"

"Das auch, aber der Typ ist jetzt hinter uns her."

Soziologische Erhebungen im praktischen Umfeld kombiniert mit körperlicher Ertüchtigung. Tims übliches Spiel. Wir rannten.

Apr. 04

Sind Sie es?

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Wie unangenehm. Es ist eine dieser Zufallsbegegnungen. Man kennt das. Zwei Menschen rennen ineinander, Zähne, Knochen, Fleisch, Muskeln und Haut verknoten sich zu einem Zwei-Personen-Ball.

"Entschuldigung," pustet es in meinen Hals hinein. Ich fühle, wie sich ein Gebiss bewegt.

"Schon gut," blase ich zurück.

"Moment, sind Sie nicht…"

"Oh, sind Sie etwa…" Wir versuchen uns die Hände zu geben. Geht nicht, seine stecken in meinem Magen, meine hängen wiederum irgendwo bei seinen Schuhen.

"Moment, ich muss nur kurz…" Wir entknoten uns. Die Straße wird dunkel, Stunden ziehen an uns vorüber. Als wir uns schließlich wieder zu zwei Individuen entwirrt haben, herrscht totenfinstere Nacht.

Da nichts zu erkennen ist, müssen wir uns auf unsere Tastsinne verlassen. Ich versuche meinen Gegenüber zu identifizieren, indem ich mit meinen ausgestreckten Fingern seine Fratze zerknete.

Eine Verwechslung, natürlich. Innerlich verfluchen wir uns gegenseitig, während wir uns auf das herzlichste beieinander entschuldigen. Falsches Lachen hallt von den Hauswänden in die Nacht hinein.

März 28

Anzüge.

Verkäufer: Wenn Sie ein Kilo abnehmen, passt der perfekt.

Ich: image

März 24

Ein interessanter Ansatz, umfangreiche Romanprojekte anzugehen

Wieder einmal reddit. Der Nutzer jdrussell503 hat den ersten Entwurf eines Romans abgeschlossen und sich an einen Beitrag mit verschiedenen Schreibtipps gesetzt. Ein Punkt ist hierbei besonders interessant. Romanprojekte können schon aufgrund ihrer Länge schier unüberwindlich wirken. Der Vorschlag: man sehe den Roman als Folge verbundener Kurzgeschichten an.

Ein typischer Roman besteht aus mehreren Szenen / Situationen. Im Idealfall ist jede Szene spannend. Nun denke man an Kurzgeschichten und ihre Charakteristika. Sie sind, der Name sagt es schon, kurz. Komprimiert geben sie ohne sinnloses Blabla eine Geschichte wieder. J.D. Russell hat seinen Charakter in eine spannende Situation gebracht. Dann wieder in eine. Und in die nächste. Diese ließen sich anschließend zu einer kohärenten Geschichte verbinden.

Das funktioniert warscheinlich nicht bei jedem Projekt. Russell stellt aber ganz richtig fest, dass eine Kurzgeschichte weit weniger Stress bereitet, als der Blick auf die Seitenzahl des Manuskripts im Wissen, dass noch 290 Seiten zu schreiben sind.

März 23

lovliestplace fragte: kannst du mit ein gutes buch der körpersprache empfehlen? :D

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Hmm…

Ich weiß, dass mein Vater einmal ein solches Buch hatte. Keine Ahnung, wo das abgeblieben sein könnte. Ich für meinen Teil habe nie ein Buch über Körpersprache gelesen. Es gibt da dieses Cheat-Blatt, das ich mal verlinkt habe. Sollte man sich vielleicht mal runterladen.

Ich habe einige meiner Bekannten und Freunde aus dem Theater-Bereich gefragt, ob sie ein Buch besonders empfehlen können. Leider habe ich auch da keine klare Antwort bekommen. Was aber generell weiterhilft:

  1. Augen aufhalten und Mitmenschen aktiv wahrnehmen.
  2. Das klassische Spiegelspiel. Was sieht echt und unecht aus, wenn ich es vor dem Spiegel ausprobiere?
  3. Kann ich empfehlen: einfach mal bei einer Theaterproduktion mitmachen. Da lernt man ziemlich schnell, seine Körpersprache unter Kontrolle zu halten und spezifischen Situationen anzupassen. Aus der Erfahrung kann man, finde ich, geschriebene Beobachtungen entwickeln.

Alles in allem: sorry, ich kann kein Buch empfehlen. Vielleicht hat ein anderer Leser ja eine Idee? Ich habe jetzt auch wieder eine Kommentar-Funktion im Blog, für alle Fälle.